Ein unerwartetes Paradies für Weinfans und Solo-Reisende
Wenn du an Arizona denkst, kommen dir wahrscheinlich Kakteen, der Grand Canyon und endlose Wüstenlandschaften in den Sinn. Aber Weinberge? Tatsächlich hat sich Arizona in den letzten Jahrzehnten zu einer der interessantesten Weinregionen der Welt entwickelt – und ist dabei ein perfektes Reiseziel für Frauen, die alleine unterwegs sein möchten.
Ich hatte das Glück, zwei faszinierende Winzer Arizonas persönlich kennenzulernen: Tom Messier von Omphalos Winery und James Callahan von Rune Wines. Ihre Geschichten sind so unterschiedlich wie ihre Weine – und beide zeigen perfekt, was Arizona so besonders macht: Pioniergeist, Kreativität und die Freiheit, neue Wege zu gehen.

Arizona Wein: Von der IT-Welt in die Weinberge – Tom Messier und Omphalos Winery
Tom Messier ist kein klassischer Winzer-Spross, der das Handwerk von Generation zu Generation geerbt hat. Seine Geschichte beginnt in Connecticut, in der IT-Branche. „Ich habe viele Jahre in der IT gearbeitet und gedacht, das sei mein Weg – bis ich merkte, dass mich Wein mehr faszinierte als jede Datenbank“, erzählt er mit einem Lächeln.
Experimente mit Aprikosen, Tomaten und Beeren
Als Tom und seine Frau Teresa nach Arizona zogen, begann er zunächst aus purer Neugier zu experimentieren – mit Aprikosen, Tomaten und sogar Pyracantha-Beeren. Doch schnell wurde klar: Das war mehr als ein Hobby. Tom schrieb sich am Yavapai College in Clarkdale für Önologie und Vitikultur ein und arbeitete am Southwest Wine Center.
Seine Lernbereitschaft war grenzenlos: Er half Studenten beim Weinmachen, sammelte praktische Erfahrung als Assistant Winemaker bei Weingütern in Scottsdale und arbeitete eng mit anderen Produzenten wie Rune Winery und Deep Sky Vineyard zusammen. Diese Zeit als Assistant Winemaker war seine Lehrzeit – hier lernte er das Handwerk von der Pike auf.

Erst nach Jahren der Praxis und des Lernens wagten Tom und Teresa 2019 den Schritt und gründeten Omphalos Winery – benannt nach dem griechischen Mythos vom „Nabel der Welt“. „Omphalos bedeutet ‚der Nabel aller Dinge‘ – und genau so sehe ich unseren Wein: als Verbindung zwischen Ort, Menschen und Geschmack“, erklärt Tom seine Vision.
Zusammenarbeit statt pures Konkurrenzdenken
Und diese Vision trägt Früchte: 2025 wurde ihr Triplet – eine GSM-Cuvée aus Grenache, Syrah und Mourvèdre – bei den Arizona Wine Awards zunächst mit dem Growers Cup als bester Rotwein und anschließend mit dem prestigeträchtigen Governor’s Cup als bester Wein der gesamten Show ausgezeichnet. Ein beeindruckender Erfolg für ein so junges Weingut – und ein Beweis dafür, dass Tom seine Lehrjahre optimal genutzt hat.
Bis heute arbeitet Tom auch als Assistant Winemaker bei anderen lokalen Betrieben wie Rune Winery und Deep Sky Vineyard. Das zeigt, wie eng vernetzt und gemeinschaftlich die Arizona-Weinszene ist – hier hilft man sich gegenseitig, statt zu konkurrieren. Tom gibt sein Wissen weiter und lernt gleichzeitig von anderen Winzern. Diese Kooperation ist typisch für junge Weinregionen, wo Pioniergeist wichtiger ist als Konkurrenzdenken.

Der Geschichtenerzähler: James Callahan und Rune Wines
James Callahan kam auf ganz anderem Weg zum Wein. Mit einem Geschichtsstudium an der Arizona State University in der Tasche begann er 2007, in Restaurants zu arbeiten. „Ich schenkte großartige Flaschen Wein aus, und die Weinbranche begann mein Interesse zu wecken“, erinnert er sich. Doch statt in etablierten Regionen Karriere zu machen, zog es ihn zurück in seine Heimat: „Ich wusste, dass ich lieber hier zu Hause Pionierarbeit leisten wollte. Ich wollte dazu beitragen, Arizona für feinen Wein auf die Landkarte zu setzen.“
Seine Reise führte ihn aber zunächst nach Washington State, Neuseeland und Kalifornien, wo er bis zum Cellar Master bei Kosta Browne aufstieg. 2012 kehrte er nach Arizona zurück und gründete 2013 Rune Wines – ein Weingut, das so unkonventionell ist wie sein Gründer.

Rune steht für Storytelling. Der Name spielt auf mystische Runenzeichen an, und jedes Etikett erzählt ein Kapitel einer fortlaufenden Geschichte. „All unsere Etiketten ergeben eine Art Comic, erzählt durch das Medium Wein“, erklärt James sein einzigartiges Konzept. Jede Rebsorte hat eigene Charaktere und Handlungsstränge, die sich mit jedem Jahrgang weiterentwickeln.
Aber Rune ist mehr als schöne Etiketten. James‘ Weinphilosophie ist klar: „Weine, die ausgewogen, zart, nuanciert sind und ihr Terroir gut zeigen.“ Er arbeitet mit wilden Hefen und einem Low-Intervention-Ansatz – die Natur soll sprechen, nicht die Technik. Sein Flaggschiff ist der Wild Syrah, der erste Wein, bei dem er mit natürlicher Fermentation experimentierte.
Später gründete James eine zweite Marke: Brigand Wines – der rebellische Bruder von Rune. Hier experimentiert er mit ungewöhnlichen Rebsorten und „Renegade Blends“, die Regeln brechen und überraschen. Alle Trauben stammen zu 100 Prozent aus Arizona – eine Liebeserklärung an die Region.

Zwei Welten, zwei Philosophien: Arizona-Wein trifft auf Europa
Bei meinen Gesprächen mit Tom und James wurde mir bewusst, wie unterschiedlich die Weinphilosophie in Arizona im Vergleich zu Europa ist. Diese Unterschiede machen Arizona-Weine so spannend – und manchmal auch überraschend.
Tradition versus Innovation
Europa blickt auf Jahrhunderte, teilweise Jahrtausende, Tradition im Weinbau zurück. In Regionen wie Bordeaux, Chianti oder der Rioja ist Wein tief in der Kultur verwurzelt. Die Winzer folgen oft jahrhundertealten Methoden, die von Generation zu Generation weitergegeben werden. Das Ziel: Den Charakter des Terroirs – also die einzigartige Kombination aus Boden, Klima und Tradition – im Wein sichtbar machen.
Arizona hingegen ist jung und wild. Die moderne Weinproduktion begann erst in den 1970er Jahren, als Dr. Gordon Dutt von der University of Arizona experimentelle Reben anlegte. Diese Jugend bedeutet Freiheit: Arizona-Winzer können experimentieren, neue Techniken ausprobieren und ihren eigenen Stil entwickeln, ohne sich jahrhundertealten Konventionen beugen zu müssen.
Tom Messier verkörpert genau diesen Geist: „Es reicht nicht, nur gute Trauben zu haben – man muss verstehen, wie sie zu Wein werden. Für mich ist Weinmachen eine Mischung aus Wissenschaft und Intuition.“ Diese Offenheit für neue Wege – von der IT in den Weinkeller – wäre in traditionellen europäischen Weinregionen undenkbar.
Minimale Intervention versus technische Präzision
In Europa gilt oft die Philosophie der minimalen Intervention: Die Natur soll arbeiten, der Winzer nur begleiten. Zusatzstoffe werden sparsam eingesetzt, strenge Regelungen schützen traditionelle Methoden.
In den USA und Arizona sind die Regeln flexibler. Winzer dürfen Säure, Zucker oder andere Stoffe hinzufügen, um Geschmack, Farbe oder Alkoholgehalt zu beeinflussen – ohne dies auf dem Etikett angeben zu müssen. Das bedeutet nicht, dass Arizona-Weine „künstlich“ sind, sondern dass die Winzer mehr Werkzeuge zur Verfügung haben, um konsistente, zugängliche Weine zu kreieren.
Mutter Natur bleibt das Vorbild
Interessanterweise verbindet James Callahan beide Welten: Seine Ausbildung in Kalifornien und Neuseeland hat ihm moderne Techniken vermittelt, aber seine Philosophie ist europäisch geprägt. Er arbeitet mit wilden Hefen und minimalem Eingriff – „Ich lasse Mutter Natur so viel wie möglich arbeiten und bevorzuge einen eher zurückhaltenden Ansatz.“ Sein Wild Syrah ist ein perfektes Beispiel: natürliche Fermentation, keine künstlichen Hefen, maximaler Terroir-Ausdruck.

Region versus Rebsorte: Was steht auf dem Etikett?
In Europa steht meist die Region im Mittelpunkt. Wenn du eine Flasche Bordeaux kaufst, weißt du, woher der Wein kommt und welchen Stil du erwarten kannst – auch ohne dass die Rebsorte genannt wird. Systeme wie die französische AOC (Appellation d’Origine Contrôlée) oder die italienische DOCG regeln streng, wo und wie ein Wein produziert werden darf.
In Arizona und den USA dominiert die Rebsorte auf dem Etikett: Cabernet Sauvignon, Syrah, Chardonnay. Mindestens 75 Prozent der Trauben müssen von der angegebenen Sorte stammen. Die amerikanischen AVAs (American Viticultural Areas) sind viel lockerer – sie definieren nur geografische Grenzen, aber keine Produktionsmethoden.
Das gibt Arizona-Winzern kreative Freiheit. James‘ Brigand Wines spielt genau damit: ungewöhnliche Rebsorten, überraschende Blends, keine starren Regeln. In Europa wäre so etwas schwierig – dort würde ein „Bordeaux“ niemals unkonventionellen Rebsorten enthalten.
Geschmack: Subtilität versus Fruchtpower
Ein oft diskutierter Unterschied betrifft den Geschmack:
Europäische Weine neigen traditionell zu höherer Säure, subtilen Fruchtaromen und starker Betonung von Mineralität und Terroir. Sie entwickeln sich oft über Jahre und enthüllen ihre Komplexität erst mit der Zeit.
Arizona-Weine sind typischerweise fruchtbetonter, körperreicher und haben oft einen höheren Alkoholgehalt. Sie sind zugänglicher, runder im Geschmack und weniger „erklärungsbedürftig“ – perfekt für Weinliebhaber, die sofort genießen wollen.
Natürlich sind das Verallgemeinerungen. Tom Messiers preisgekrönter Triplet zum Beispiel vereint das Beste beider Welten: die fruchtige Intensität Arizonas mit der Eleganz und Balance europäischer Cuvées. Und James‘ Weine sind bewusst zurückhaltend, nuanciert und terroir-fokussiert – eher Burgund als Napa Valley.
Das Beste aus beiden Welten
Was mich an Arizona so begeistert, ist genau diese Freiheit: Winzer wie Tom und James können europäische Philosophien mit amerikanischer Innovationsfreude verbinden. Sie sind nicht durch jahrhundertealte Traditionen eingeschränkt, aber sie respektieren das Handwerk.
Die extremen Temperaturschwankungen Arizonas – heiße Tage, kühle Nächte – erzeugen eine Traubenreifung, die europäischen Spitzenregionen ähnelt. Die vulkanischen Böden und die Höhenlage bringen Mineralität und Komplexität. Aber die Winzer haben die Freiheit, damit zu experimentieren.
Tom formuliert es so: „Wir sind vielleicht ein kleiner Betrieb in Willcox, aber wir erzählen mit jedem Wein ein Stück dieser Landschaft.“ Und James ergänzt: „Die Welt des Weinmachens bietet bedeutende Belohnungen für harte Arbeit… Es ist nicht einfach oder hübsch und voller Risiko, aber – wie bei allem – sind die Belohnungen groß, wenn es gut gemacht wird.“

Warum Arizona perfekt für Weinbau ist
Du fragst dich vielleicht: Wein in der Wüste? Tatsächlich bietet Arizona ideale Bedingungen. Die Weinregionen liegen in Höhenlagen zwischen 1.200 und 1.800 Metern. Tagsüber brennt die Sonne, nachts kühlt es stark ab – diese Temperaturschwankungen sorgen für eine perfekte Traubenreifung, ähnlich wie in den besten europäischen Weinregionen.
Arizona hat drei offizielle Weinbaugebiete (AVAs):
- Sonoita AVA (1984) – die älteste Region mit etwa 22 Weingütern
- Willcox AVA (2016) – produziert über 80 Prozent der Weintrauben des Bundesstaates
- Verde Valley AVA (2021) – die jüngste Region mit großem Potenzial
Von ursprünglich nur fünf lizenzierten Weingütern in den frühen 1990er Jahren gibt es heute über 100 Produzenten. Das ist Pioniergeist pur.
Arizona: Ein Traumziel für alleinreisende Frauen
Aber Arizona ist nicht nur für Wein-Liebhaberinnen ein Traum – es ist auch eines der besten Reiseziele für Frauen, die alleine unterwegs sein möchten. Hier sind meine wichtigsten Gründe:
1. Sicherheit und Infrastruktur
Arizona profitiert von der US-amerikanischen Infrastruktur: ausgezeichnete Straßen, zuverlässige öffentliche Verkehrsmittel in den Städten und ein hohes Sicherheitsniveau. Die Weinregionen sind gut erschlossen, und ein Mietwagen gibt dir absolute Freiheit, die Landschaft zu erkunden.
2. Freundliche, offene Atmosphäre
Die Menschen in Arizona sind außergewöhnlich gastfreundlich. In den kleinen Weingütern wirst du oft persönlich vom Winzer oder der Winzerin begrüßt. Die Weinszene ist familiär und einladend – hier bleibt niemand lange allein, außer man möchte es.
3. Perfektes Klima
Von Oktober bis Mai herrscht in Arizona ideales Reisewetter: sonnig, warm, aber nicht zu heiß. Im Hochland rund um Sedona oder in den Weinregionen ist es selbst im Sommer angenehm. Pack Sonnenschutz ein, aber die Hitze ist trocken und damit viel erträglicher als schwüle Luftfeuchtigkeit.
4. Vielfalt an Aktivitäten
Neben Weinproben kannst du wandern (das Red Rock Country um Sedona ist atemberaubend), Yoga-Retreats besuchen, in heißen Quellen entspannen oder die Kunstszene in Jerome und Bisbee entdecken. Die Nationalparks – Grand Canyon, Saguaro, Petrified Forest – sind weltberühmt.
5. Wellness und Spiritualität
Arizona hat eine besondere Energie. Die roten Felsen von Sedona gelten als spirituelles Zentrum, und viele Wellness-Resorts bieten Meditation, Yoga und Heilbehandlungen an. Nach einem Tag voller Weinverkostungen kannst du in einem Spa entspannen oder unter dem klarsten Sternenhimmel meditieren, den du je gesehen hast.
6. Kulinarische Vielfalt
Die Küche Arizonas verbindet mexikanische, Native American und moderne amerikanische Einflüsse. In den Weinregionen findest du hervorragende Farm-to-Table-Restaurants, die lokale Zutaten mit den Weinen der Region kombinieren.
Meine Tipps für deine Arizona-Weinreise
Plane eine Wine Trail Tour: Die Arizona Wine Growers Association bietet Routen durch die verschiedenen Weinregionen. Du kannst mehrere Weingüter an einem Tag besuchen und dabei die Landschaft genießen.
Besuche kleine Betriebe: Große Weingüter sind beeindruckend, aber die kleinen, familiengeführten Betriebe wie Omphalos oder Rune bieten persönliche Erlebnisse, die du nie vergessen wirst.
Kombiniere Wein mit Natur: Verbringe einen Tag in Sedona, wandere zu den Red Rocks, und besuche dann Page Springs Cellars im Verde Valley. Die Kombination aus Natur und Wein ist unschlagbar.
Nimm dir Zeit: Arizona ist kein Ort zum Durchhetzen. Die entspannte Atmosphäre, die freundlichen Menschen und die endlose Weite laden zum Verweilen ein.
Reise im Frühling oder Herbst: Das Wetter ist perfekt, und viele Weingüter veranstalten Events und Festivals.
Probiere lokale Spezialitäten: Neben klassischen Rhône-Sorten wie Syrah und Grenache findest du in Arizona auch ungewöhnliche Rebsorten. Sei mutig und probiere Weine, die du noch nicht kennst – genau dafür ist Arizona da.
Was du beachten solltest
Wie überall gilt: Informiere dich über die Region, miete einen zuverlässigen Wagen und plane Übernachtungen im Voraus, besonders in touristischen Hochzeiten. Die Weinregionen liegen teilweise abseits der großen Städte, also tanke rechtzeitig und hab immer Wasser dabei.
Wenn du Wein verkostest, nutze einen Fahrdienst oder plane Übernachtungen in der Nähe der Weingüter ein. Viele Weingüter bieten charmante Gästehäuser oder empfehlen nahegelegene B&Bs.

Fazit: Arizona – Wein, Weite und Freiheit
Arizona hat mich überrascht und begeistert. Die Kombination aus innovativer Weinproduktion, atemberaubender Natur und der sicheren, offenen Atmosphäre macht es zu einem perfekten Reiseziel für alleinreisende Frauen.
Tom Messier und James Callahan sind nur zwei Beispiele für die kreativen Geister, die Arizona zu einer aufregenden Weinregion machen. Ihre Geschichten zeigen: Hier ist Platz für Träume, für Experimente, für neue Wege. Sie verbinden das Beste aus europäischer Tradition und amerikanischer Innovation – und kreieren dabei Weine, die einzigartig sind.
Perfektes Reiseziel für Weinfans
Wenn du Weine liebst, die eine Geschichte erzählen, wenn du Winzer treffen möchtest, die mit Leidenschaft und Mut neue Wege gehen, wenn du Landschaften suchst, die deine Seele berühren – dann ist Arizona dein Ziel.
Wenn du auf der Suche nach einem Abenteuer bist, das Genuss, Kultur und Selbstentdeckung verbindet, dann pack deinen Koffer und fahr nach Arizona. Die Wüstensonne, die roten Felsen und die freundlichen Menschen warten auf dich – und vielleicht entdeckst du in einem Glas Wild Syrah oder Triplet ein Stück von dir selbst.
Trau dich, tu es. Arizona ruft. 🍷🌵

































































